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(und andere Miniaturen)

[Season 2009/10]



piet









SEP 2010


Die Fotografie ist mit ihrem inhärent melancholischen „Es wird gewesen sein“ ein geradezu tragisches Medium. Warum aber werden dann unentwegt Fotos gemacht?


Konventionen...? Konventionen sind das, was übrig bleibt, wenn man viel an garnichts denkt.
(Cédric Kahn, »L'Ennui»)



Kunst abgewöhnen (Regel #5): Fangen Sie jeden Tag eine Stunde später an zu arbeiten.









AUG 2010


Mein Trost auf Kunstmessen: mit Recht hat John Cage, Pilzsammler und prämierter Mykologe, einmal gesagt, die Probleme der zeitgenössischen Musik seien weniger wichtig als die Probleme der zeitgenössischen Pilze, da man an zeitgenössischen Pilzen, wenn sie schlecht seien, sterben könne, während der Genuss zeitgenössischer Musik selbst übelster Qualität unbedenklich sei. Das gilt vielleicht ja auch für die Kunst?


Er war so reizend... schmatz!... so gut erzogen. Er hat niemals mit vollem Mund gesungen... schmatz!... Schade, dass er nicht viel ass...
(Obelix über Troubadix in »Asterix als Gladiator«)



Kunst abgewöhnen (Regel #6): Teilen Sie jedes Bild in drei Teile: erstes Drittel malen, zweites Drittel skizzieren, drittes Drittel wegwerfen.









JUL 2010


Künstlern, die kein Verhältnis zu Mathematik und Geometrie haben, fehlen ganze Dimensionen ästhetischer Erkenntnisse. Das gilt natürlich auch für Kuratoren und andere Kulturbeflissene, die sich gern für ungemein gebildet halten, aber schon mit einfacher Proportionslehre auf Kriegsfuß stehen.


Das Wissen vom Göttlichen ist für einen mathematisch ganz Ungebildeten unerreichbar.
(Nikolaus von Cues)



Kunst abgewöhnen (Regel #7): Legen Sie einmal in der Woche einen Nichtarbeitstag ein.









JUN 2010


Du liest Worte, die aber nicht existieren, nur eine Botschaft aus dem Inneren deines Gehirns, die dir sagt, dass du Worte liest, die aber nicht existieren, nur eine Botschaft aus dem Inneren deines Gehirns, die dir sagt, dass du …


Neo: „Why do my eyes hurt?“
Morpheus: „You've never used them before.“
(The Wachowskis, »The Matrix«)



Kunst abgewöhnen (Regel #8): Waschen Sie Sich vor jeder Arbeit die Hände und trinken ein Glas Flüssigkeit.









MAI 2010


Esst, wo ihr reinpasst, und zieht euch warm an.
Was ist denn schon authentisch? Ich höre empörten Widerspruch, schon die Frage knabbert an mühsam stabilisierten Selbsteinschätzungen. Alle spielen nur die Hauptrolle in ihrem eigenen Film, und die meisten davon sind langweilig.
Authentischer Autismus.


Your future dream is a shopping scheme.
(Sex Pistols, »Anarchy In The UK«)



Kunst abgewöhnen (Regel #9): Für jedes nicht angefertigte Bild kommt ein Geldstück in ein Glas: das ergibt ein hübsches Mitbringsel für einen Menschen, dem man eine Freude machen will. Das kann z.B. Ihr Therapiehelfer sein.









APR 2010


Die Musik ist aus.
Sie klang sowieso furchtbar, setz' ich mich eben selbst ans Klavier.
Highway. Gib Gas.
The Highway to Nowhere. Oder Artisten beim Bergsteigen, die Luft wird zusehends dünner und die Halluzinationen immer plastischer. Der zweifelhafte Olymp ist erreicht, wenn der Körper verschwindet - und wieder vermasselt er alles.
Warum ist mein Lieblingsplatz im Café grundsätzlich besetzt? Das sogenannte wirkliche Leben ist einfach nur besser gerendert, das ist alles. Und man fügt dem Auge nur dann einen Schaden zu, wenn das Gehirn die empfangenen Signale auch tatsächlich glaubt. Nichts zu wissen ist schlicht ein beneidenswerter Zustand und ganz bestimmt nicht das Problem.
Ein Gedicht fällt mir jetzt aber nicht mehr ein, es muss auch mal ohne gehen. Sei's drum.


Das Ding und die Gesamtheit des Dings.
(Terry Pratchett, »Der fünfte Elefant«)










MÄR 2010


Mit dem Rücken zur Wirklichkeit. Was sehen Katzen und Babys eigentlich, wenn sie so fasziniert in die Luft starren? Vielleicht etwas, das uns so vertraut ist, dass wir es einfach nicht mehr wahrnehmen?


Wenn ihr eure Ebenbilder seht, freut ihr euch. Wenn ihr aber eure Bilder seht, die vor euch entstanden sind, die weder sterben noch sich offenbaren, wie viel werdet ihr dann ertragen?
(»Thomasevangelium«)










FEB 2010


Für das Licht, das Photon selbst, existiert keine Zeit.
Das gleicht dem Zenonischen Pfeil-Paradoxon, bei dem ein fliegender Pfeil zu einem Zeitpunkt der Beobachtung stets einen exakt umrissenen Ort hat, sich also in Ruhe befindet. Unter ständiger Beobachtung befindet sich der Pfeil daher immer in Ruhe. Der fliegende Pfeil ruht.


Ich fühle mich wie Dr. Liebig kurz vor Erfindung der künstlichen Fleischbrühe. Zündende Ideen und brisante Einfälle schießen mir durch den Kopf.
(Donald Duck)



Kunst abgewöhnen (Regel #10): Putzen Sie Sich nach jedem angefertigten Bild die Zähne.









JAN 2010


Die neue Arbeit Flow My Tears [Canto 7] aus Inferno ist abgeschlossen.
[edit: erste Fassung]


Three quarks for Muster Mark!
(James Joyce, »Finnegan's Wake«)


Die phänomenale Welt existiert nicht; sie ist eine Hypostase der Informationen, die der Geist verarbeitet.
(Philip K. Dick, »Valis«)



Kunst abgewöhnen (Regel #11): Malen Sie nicht mehr ohne hinzusehen.









DEZ 2009


Die Werkgruppe Inferno  (XXIII) ist nun über das StartMenu erreichbar.
Die gesamte website wurde außerdem überarbeitet und aktualisiert.


Elemente, die sich verketten: wie man Felder und Gegenfelder erzeugt. Widersprüche dabei unaufgelöst nebeneinander stehen lassen.
(Jean-Luc Godard, »Liebe, Arbeit, Kino«)



Das Gehirn arbeitet ja nicht linear, sondern parallel und mehrdimensional. Wir leben stets in heterogenen Bewusstseinszuständen. Die Überlagerung als visuelle Infrastruktur ist daher eine sich ganz natürlich ergebende Darstellungsform.


Es sind die Brüche, durch die das Licht hindurchscheint.
(„Hiro Nakamura“ in Tim Krings »Heroes«)










NOV 2009


Die Kritik folgt den Schöpfungen des Geistes wie der Schatten dem Körper. Sie hat wenig Nutzen, da die meisten Kritiker ganz unzulänglich sind.
(Eugène Delacroix)


Eine stille, schreiende, gelöste Intensität?
(„George“ in Mike Nichols' »Who's Afraid of Virginia Woolf«)



Kunst abgewöhnen (Regel #12): Jeden Tag ein Bild weniger machen! Am frühen Morgen legt man sich die Anzahl der Bilder zurecht, die man tagsüber machen will. Das langsame Abgewöhnen verlangt keinen allzu starken Willen.









OKT 2009


Und so beginnt das Blog, das keines ist, auf any other name.
Wie das Video einer Plastiktüte im Wind.


What’s in a name? That which we call a rose
By any other name would smell as sweet.
(William Shakespeare, »Romeo and Juliet«)




Pilot

(A Portrait of the Artist as a Young Man)









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