T H_IS   IS   NO_T   A   BLO_G
(und andere Miniaturen)

[Season 2012/13]



piet









SEP 2013


THX Eleven Thirty Eight will be taken into custody at a minimal monetary expenditure. Total operation cost: 6000 credits under budget. Congratulations. Be efficient, be happy.
(George Lucas, »THX 1138«)



#715

untitled #715 (Das Phantom der Freiheit)



Die Grube (Katatonische Chiffren III,2):

Lisa ist sechs Jahre alt; sie spielt mit einem Jungen aus der Nachbarschaft auf dem weitläufigen Brachgelände am Rande ihres Wohnviertels. Sie findet, dass der Junge ein komisches Knetgummigesicht hat. Die beiden graben in einer grasbewachsenen Senke eine kleine Grube; sie spielen "Gefängnis". Der Junge kriecht in das Loch, und sie legt einige starke Äste als "Gitterstäbe" darauf und gräbt diese ein. Ohne ihre Hilfe kann der Junge jetzt nicht mehr hinaus. Eine seltsame Erregung erfasst sie, als sie erkennt, welche Macht sie nun hat. Das Knetgummigesicht will wieder herausgelassen werden, jetzt soll sie einmal ins "Gefängnis". Aber sie will diese neuartige Erregung noch steigern und schaufelt die ausgehobene Erde wieder zurück in die Grube. Der Junge fängt an zu schreien, aber sie sind weit weg von den Häusern, und wer achtet schon auf Kinder, die beim Spielen kreischen?









AUG 2013


The government's been in bed with the entire telecommunications industry since the 40s. They've infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls... Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It's a brave new world out there.
(„Brill“ in Tony Scotts »Enemy of the State«)



#452

untitled #452


„Don't you wish you were free, Lenina?"
„I don't know what you mean. I am free. Free to have the most wonderful time. Everybody's happy nowadays."
(Aldous Huxley, »Brave New World«)



Welcome my son
Welcome to the machine
What did you dream?
It's alright we told you what to dream
(Pink Floyd, »Welcome to the Machine«)










JUL 2013


It must be, I thought, one of the race's most persistent and comforting hallucinations to trust that „it can't happen here“ - that one's own time and place is beyond cataclysm.
(John Wyndham, »The Day of the Triffids«)



#99

untitled #99 (Les Fleurs du Mal)


Die bleichen Blumen des Mondlichts,
wie Rosen der Klarheit,
Blühen in den Sommernächten:
Könnte ich nur eine pflücken!
(Albert Giraud, »A Colombine« aus »Pierrot Lunaire«)










JUN 2013


Tout ce que j'ai fait d'important pourrait tenir dans une petite valise.
(Marcel Duchamp, Interview im »Life Magazine«, April 1952)



Zwischen 1935 und 1940 realisierte Marcel Duchamp sein "tragbares Museum" Boîte-en-valise (Schachtel im Koffer), das alle 69 seiner seit 1910 entstandenen Werke in Form von Reproduktionen und Miniaturen enthält.
Davon inspiriert ist nun die Edition Inferno in the Box entstanden. Das Portfolio umfasst alle 34 Arbeiten der Werkgruppe Inferno (2006-2013) in Form von Reproduktionen der Arbeiten zu den Canti 1-7 und 9-34, sowie einer DVD mit der Videoarbeit zu Canto 8.


What fresh hell can this be?
(Dorothy Parker, whenever the doorbell rang in her apartment)










MAI 2013


Ein Mensch gilt dann als normal und gruppenzugehörig, wenn er Illusionen mit anderen Menschen teilt. Und je mehr Menschen eine bestimmte Illusion teilen, desto mehr gilt diese als verbindliche Wahrheit. Die doppelte Funktion als soziale Versicherung und als sinnstiftender Faktor einer stabilen Weltvorstellung macht diesen Mechanismus permanenter Wirklichkeitsentwarnung so erfolgreich, dass Menschen eine Begegnung mit der Realität in der Regel erst dann erkennen, wenn etwa eine katastrophische Entwicklung bereits über sie hinweggerollt ist. Der Mensch, ständig von einer Illusion in die nächste taumelnd, ist tatsächlich ein Meister der "Sinngebung des Sinnlosen" (Theodor Lessing).


Denn die Masse der Menschen lässt sich mit dem Schein ebenso abspeisen wie mit der Wirklichkeit, häufig wird sie durch den Schein mehr bewegt als durch die Wirklichkeit.
(Niccolò Machiavelli, »Discorsi«)



#511

untitled #511 (La Commission)









APR 2013


You Press the Button, We Do the Rest
(George Eastman, Kodak advertising slogan, 1888)



Eine neue Kategorie: das Foto des Monats. Dies muss weder zwangsläufig in dem jeweiligen Monat entstanden sein, noch wird es jeden Monat ein solches geben (das wäre nur unnötig konsequent und gäbe der Kategorie eine ganz unbeabsichtigte Sinnhaftigkeit).


Twelve significant photographs in any one year is a good crop.
(Ansel Adams)



#617

untitled #617









MÄR 2013


IPPA Computer (Identity Processsing Program of Uhmerica): „If you have one bucket that contains 2 gallons and another bucket that contains 7 gallons, how many buckets do you have?“
(Mike Judge, »Idiocracy«)



Neulich im Internet: "Und wir Verkaufsförderung müssen von nun an, mehr kaufen, mehr sparen und bekommen mehr! Bitte wenden Sie sich bei uns."


Rufus T. Firefly: „Now, what is it that has four pairs of pants, lives in Philadelphia, and it never rains but it pours?
Chicolini: „Atsa good one. I give you three guesses.“
Rufus T. Firefly: „Now let me see. Has four pair of pants, lives in Philadelphia... Is it male or female?“
Chicolini: „No, I no think so.“
Rufus T. Firefly: „Is he dead?“
Chicolini: „Who?“
Rufus T. Firefly: „I don't know. I give up.“
Chicolini: „I give up, too.“
(Leo McCarey, »Duck Soup«)










FEB 2013


The longest journey begins with a single step, not with a turn of the ignition key.
(Edward Abbey)



Urbaner Wahn: die Diktatur motorisierter Mobilität hat Städte in riesige Parkplätze mit integrierten Behausungen verwandelt. Gebäude sind entweder mit Werbebanderolen oder infantilen Graffiti geschmückt, und auf den verbliebenen Gehwegen stehen Stonehenges aus Altpapier- und Flaschencontainern herum. Da erscheint nicht nur urban gardening wie ein verzweifelter Witz.


The automobile has not merely taken over the street, it has dissolved the living tissue of the city. Its appetite for space is absolutely insatiable; moving and parked, it devours urban land, leaving the buildings as mere islands of habitable space in a sea of dangerous and ugly traffic.
(James Marston Fitch, »In Defense of the City« in »Proceedings of the Academy of Political Science«, May 1960)










JAN 2013


The sun to me is dark
And silent as the moon,
When she deserts the night,
Hid in her vacant interlunar cave.
(John Milton, »Samson Agonistes«)



Eklipse (Katatonische Chiffren III,1):

Du lässt dich ein (ich bitte dich),
zwei Seelen scheinbar,
aber doch nur drei allein.

Die halbe Sphäre strahlt,
derweil die and're nach dem Mond begehrt.
Finsternis fällt auf das Sehnen,
und die Erde führt den dunklen Tanz.

Deine Augen (kalt) erscheinen grau,
wie Staub und Schatten; stumpfes Herz.
Denn der Mund weint Blut.

Süchtig nach dem roten Tod,
und du gehst, verwehst dich selbst.


He remembers those vanished years. As though looking through a dusty window pane, the past is something he could see, but not touch. And everything he sees is blurred and indistinct.
(Caption in Kar-Wai Wongs »In the Mood for Love«)










DEZ 2012


The tendency for entropy to increase in isolated systems is expressed in the second law of thermodynamics - perhaps the most pessimistic and amoral formulation in all human thought.
(Gregory Hill and Kerry Thornley, »Principia Discordia«)



#715


Neue alte Musik: Recomposed heißt eine Reihe bei Deutsche Grammophon, in der klassische Werke von führenden Künstlern der Clubmusikszene neu interpretiert werden.
Als nicht führender, sondern eher herumirrender Künstler, der Clubmusik und Szenen gerne meidet, bin ich diesen Trampelpfad schon in den 80er Jahren entlang gestolpert. Als Beispiel hier das leicht aktualisierte Stück Goldberg Recomposed - ursprünglich Teil des Hörstücks Sonam von 1986, werden darin Bachs Goldberg-Variationen experimentell verarbeitet - ein Versuch in angewandter Entropie.

Weiterhin wurde der gesamte Bereich der Werkgruppe re:invent überarbeitet und neu gestaltet.








NOV 2012


Dreams haunted The Riverworld.
(Philip José Farmer, »The Dark Design«)



Der Algorithmus aus der Hölle

Der erste Teil (s.u.) der neuen Arbeit Heart of Darkness (The River Styx)  [Canto 8] aus Inferno ist abgeschlossen. In dieser Videoarbeit wird das gesamte Quellmaterial des Inferno-Zyklus’ gesondert aufbereitet, wobei es auf neue Art untereinander interagiert.

Am Anfang steht zunächst ein Stück Musik, das sich einer Hölleninterpretation angemessen nahezu mechanistisch präsentiert und zwei eigentlich widerstreitenden stilistischen Prinzipien folgt.
Zum einen wird ein wie ein Strudel chromatisch um sich selbst kreisendes Motiv (b-a-c-h) vierstimmig einem rein mechanischen Algorithmus folgend kontrapunktisch verarbeitet.
Zum anderen werden die vier Stimmen, der Minimal Music verpflichtet, in vier verschiedenen Geschwindigkeiten unablässig wiederholt, bis die Zyklen der sich wellenartig überlagernden Stimmen wieder synchron wie zu Beginn sind.

Auf die Ereignisse in der Musik baut eine vierkanalige Videonotation auf, die detailliert das Aufscheinen und Verklingen aller zuvor in vier Gruppen unterteilter Bilder aufzeichnet und dabei tongenau der Audionotation folgt.
Die sich im Zeitlichen entfaltenden Bilder scheinen dabei an der sichtbaren Oberfläche auf wie die hasserfüllt Kämpfenden im Fluß Styx, um sich gleich wieder mit anderen zu überlagern, unterzugehen und woanders erneut aufzutauchen.

Auf diese Weise spiegelt sich die für diesen fünften Kreis des Inferno zentrale Fluß-Metapher sowohl in der akustischen wie auch in der visuellen Gestaltung wieder.

Die Videonotation erlaubt schließlich zwei mögliche Versionen der konkreten Ausgestaltung:

1. die hier zu sehende einkanalige Videoarbeit, wiederzugeben auf jedem beliebigen Bildschirm, bei der die vier Kanäle sich quasi polyeikonisch überlagern und
2. eine vierkanalig angelegte Videoinstallation, in der die in der Videoarbeit überblendeten Kanäle als parallele Erzählungen präsentiert werden.


Scenes of my childhood arise before my gaze,
Bringing recollections of bygone happy days.
When down in the meadow in childhood I would roam,
No one's left to cheer me now within that good old home.
(»A Violet From Mother's Grave«,
sung by Mary Kelly, the 5th victim of Jack the Ripper, on the night of her death)










OKT 2012


Rezension (Katatonische Chiffren I,4):

verweilt düstern nun schotten der sorge.

allen noten und verstemmungen zum wider,
bleibt es licht, drängt es zum aus,
sinkt es in zufälliges je und abermal.

sein gebein in hohlere regionen einrenkend,
führt es jene, die uns anwendig steilern,
vervorfälligen, dunkelnd in das viel.

es ist zeichnend, dass die, für die nie gerieben wurde,
wohl nie verkommen sind.

vor wem und seit wenn ist noch festzuschnallen,
und, wie hohn mit pech verschwimmt,
verlässt es doch den verletzten satz.


Herr Je das Nichts ist bodenlos.
Frau Je das Nichts ist unmeubliert.
Da nützt euch auch kein Kreuzbesteck
Mit dem ihr fleissig exerziert.
(Hans Arp, »Schneethlehem«)



Sometimes the most positive thing you can be in a boring society is absolutely negative.
(Johnny Rotten)










[Season 2016/17]

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