T H_IS   IS   NO_T   A   BLO_G
(und andere Miniaturen)

[Season 2014/15]



piet









SEP 2015


I have seen roses damask'd, red and white,
But no such roses see I in her cheeks.
(William Shakespeare, Sonnet 130)



Das Bühnenbild für das Konzert Poems of Love and the Rain / Games, zwei Liederzyklen von Ned Rorem und Ian Wilson, im Konzertsaal der Hochschule für Künste Bremen zeigte als Rundbilder überarbeitete Werke aus dem Inferno-Zyklus als Projektionen (11. September).
Als Beispiel hier In the Rain von Ned Rorem:


Projektion Bremen

Inferno, reworked canto 23: The Rose Thieves
aus »Games« von Ian Wilson - Julie Comparini (Mezzosopran) und Yonit Kosovske (Klavier)




Im Rahmen des Festivals Phaenomenale 2015 zeigte der Kunstverein Wolfsburg in der Ausstellung Operation Mindfuck Teile des Conspiracy Projects: #7 Dealey Plaza (The assassination of John F. Kennedy) und - nach Köln 2000 und Dortmund 2005 - eine weitere Fassung von #19 Echelon (Global surveillance in the digital age) (18. September bis 8. November).

Kunstverein Wolfsburg


Und die leuchtenden Rosen inmitten des Schnees.
(Francesco Petrarca, Sonett 101)










AUG 2015


He's dreaming with his eyes open, and those that dream with their eyes open are dangerous, for they do not know when their dreams come to an end.
(Hugo Pratt)



Piet Wessing: untitled #865

untitled #865



Katatonische Chiffren IV,12 (Die letzten Dinge):

Zwölftes Bild (The Cure)

Lips unfolding for the evening ritual,
annunciating the standing prayer: 19.

Summer breezing through the Arènes,
the walking pilgrims in black and blue.
Lizards crawling upon sallow walls,
from afar the spiderman’s lullaby.

The scarlet field shaking the sandstone,
their signs owlet moths of tan and bole.
One soul making the beast with two backs,
their parting loomed by a broken bird.

The reflection on snow covered hills,
like a landslide bleak hearts crumbling.


(for D)









JUL 2015


Here's Johnny!
(Stanley Kubrick, »The Shining«)



Inferno exhibition

Inferno, Canti 7, 9-11
Acheron Gallery, London 2015


Die Arbeit am Inferno-Buch brachte es mit sich, das umfangreiche Material der zahlreichen Präsentationen der letzten Jahre zu sichten und eine knappe Dokumentation exemplarischer Ausstellungen anzufertigen, wobei der Fokus auf den wichtigsten Einzelausstellungen lag. Daher blieben zunächst auch die Teilnahmen an der mOCUMENTA (13) und der 19. Biennale di Averno unberücksichtigt.


Jack Torrance: The White House and the NASA quickly realized that the race to the moon was really a war of images between the Russians and the United States.
(William Karel, »Opération lune«)










JUN 2015


The horror! The horror!
(Joseph Conrad, »Heart of Darkness«)



Inferno, Canto 8

Heart of Darkness (The River Styx)
Acheron Gallery, London 2015


Mit der Videoinstallation zu Heart of Darkness (The River Styx)  [Canto 8] ist schließlich auch der letzte Teil des Inferno-Zyklus' ausgeführt (s.a. No_Blog Nov 2012). Dieser zweite Teil des Canto 8 ist als vierkanalige Arbeit angelegt und präsentiert die im ersten Teil in einem einfachen Video überblendeten Kanäle nun als parallele Erzählungen in raumgreifender Form.

Parallel dazu ist die Arbeit The Revelations of Becka Paulson [Canto 11] einer Revision unterzogen worden, und ein nochmals überarbeiteter früherer Entwurf ist letzten Endes an die Stelle des bisherigen Bildes getreten.

Damit ist nun die Werkgruppe XXIII Inferno (2006-2013/15) vollständig abgeschlossen. Derzeit entsteht darüber hinaus noch ein umfangreiches Buch zu dem gesamten Zyklus.









MAI 2015


Morpheus: „What is the Matrix? Control. The Matrix is a computer-generated dream world built to keep us under control in order to change a human being into this.“
[holds up a battery]
Neo: „No, I don't believe it. It's not possible.“
(The Wachowskis, »The Matrix«)



Piet Wessing: untitled #847 (l'Être suprême)

untitled #847 (l'Être suprême)



Katatonische Chiffren IV,11 (Die letzten Dinge):

Elftes Bild (Dear Cloud)

Dies ist die Offenbarung der Gemeinschaft,
das mystische Fleisch lebt durch den Geist.

Nichts geschieht dir im Leib der Wolke,
Sicherheit im Kokon aus Fasernerven,
wandelnder Staub und schwebende Haut,
wir denken für dich und nähren dich ewig.

Oh, du geliebtes Zuchttier der Gefühle,
deine Hoffnungslosigkeit ist unser Wein,
Entsetzen und Verzweiflung laben uns,
deine Angst und Schmerzen unser Brot.

Der Traum der Unsterblichkeit ist wahr,
unser Schutz lässt Qualen niemals enden.









APR 2015


Two monks were arguing about a flag. One said: „The flag is moving.“
The other said: „The wind is moving.“
The sixth patriarch happened to be passing by. He told them: „Not the wind, not the flag; mind is moving.“
(Mumon, »The Gateless Gate«)



Piet Wessing: untitled #1423 (Der Mönch)

untitled #1423 (Der Mönch)



La Creation du Monde

Entscheidende Augenblicke, wieder und wieder und nochmal…

Lichtquanten treffen auf Elektronenwolken, werden absorbiert und gestreut, rasen durch eine Linse, werden gebrochen, verzerrt, gefiltert, in Zahlen verwandelt, umgerechnet und als Datensatz fixiert. Die Zahlen werden fehlerhaft weitergeleitet, interpretiert, erneut in Photonen umgewandelt, die mit den ursprünglichen nur noch entfernt verwandt sind, und schließlich von einem Screen abgestrahlt (alles, ohne die transformatorischen Abgründe digitaler Bildbearbeitung auch nur angedacht zu haben).

Das Licht rast weiter durch menschliche Augen, wird wieder transformiert und an verschiedene Orte des Gehirns geleitet, das daraus im Bewusstsein einen kohärenten visuellen Anschein erzeugt. Lebenslang konditionierte neuronale Funktionen generieren aus dieser zweidimensionalen Vermutung eine möglichst hinreichende Repräsentation der ursprünglichen Weltquelle, wobei kulturelle Bedingungen und individuelle Erfahrungen die Lesart bisweilen deutlich modifizieren. Die finale Sinngebung dieser Bildvorstellung erfolgt dann mit der Interpretation des Kontexts, der für die Deutung derart grundlegend ist, dass er quasi Schärfe in Tiefe zu verwandeln vermag (eine auch auf dem Kunstmarkt häufig zu beobachtende Metamorphose).

Es ist offensichtlich, dass eine Fotografie kaum mehr ist als pure Fiktion, eine Schöpfung unter Verwendung herumirrender Photonen; und ein Bild tatsächlich erst nach endlosen Mutationen und unter Mitwirkung eines an Einbildungskraft kaum zu unterschätzenden Betrachters entsteht. Aber die Mehrheit der ambitionierten Lichtjäger und -sammler hängt unverdrossen dem Glauben an, Fotografie habe irgendwie mit der Realität zu tun.

Aber Fotografie ist Zen: da ist keine Wirklichkeit - und sie geht auf dem Weg verloren.









MÄR 2015


Eight miles high
And when you touch down
You'll find that it's
Stranger than known
(The Byrds, »Eight Miles High«)



Piet Wessing: untitled #1206 (Nur für Sternschnuppen)

untitled #1206 (Nur für Sternschnuppen)


Bob: „Now we know, don't we?“
Laurel: „Know what? We know what?“
Bob: „We know what happens to today when it becomes yesterday. It waits for them.“
(Tom Holland, »The Langoliers«)










FEB 2015


Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die reibungslos und in großer Zahl zusammenarbeiten, die mehr und mehr konsumieren wollen, deren Geschmack jedoch standardisiert, leicht zu beeinflussen und vorauszusagen ist.
(Erich Fromm, »Die Kunst des Liebens«)



Piet Wessing: untitled #626 (Luna)

untitled #626 (Luna)



Katatonische Chiffren IV,10 (Die letzten Dinge):

Zehntes Bild (Dekalog)

Nun bet zur Göttin der Verbraucher,
gehorch der Herrin toter Dinge.

So wirst du niemand andrem dienen,
und all die wahren Zeichen schützen,
und wirst bei Tag und Nacht erstehen,
und Werber und Erschaffer ehren.

So wirst du andrer Tode dulden,
und dann die eigne Seel verraten,
und wirst auch all den Abfall preisen,
und dann den eignen Leib vergiften.

Verlang nun stets nach allem Neuen,
und rufe bald noch mehr nach Altem.









JAN 2015


Ich seh´ eine Zeit, in der sich die Welt rasend ihrem Ende nähert; wo Jung und Alt um mich herum in Scharen dahinsterben.
(Petrarca, »Ad Se Ipsum«)



Piet Wessing: untitled #1178 (Rom)

untitled #1178 (Rom)



Katatonische Chiffren IV (Die letzten Dinge):

Intermedium

Vergangenheit ist wandelbar, sie ist nur Erzählung.
Zukunft ist unabwendbar, sie ist noch ungeschrieben.

Der verborgene Schreiber ist im lebendigen Jetzt.
Der Ort des Endlosen ist die schützende Gegenwart.









DEZ 2014


I find the whole business of religion profoundly interesting. But it does mystify me that otherwise intelligent people take it seriously.
(Douglas Adams)



Piet Wessing: untitled #1273 (Emergency in Favor of Twice)

untitled #1273 (Emergency in Favor of Twice)



Katatonische Chiffren IV,9 (Die letzten Dinge):

Neuntes Bild (In God We Trust)

Im Anfang erschuf der Mensch das Nichts,
das Herz wüst und wirr, Finsternis über allem.

Der Mensch sah: das Nichts war Angst und Tod,
und schied es darauf von der Finsternis.
Das Nichts Unglaube, die Finsternis Glaube,
Abend und Morgen, und Gott ist erstanden.

Propheten verkünden je wahre Finsternis:
„Gesetz und Gebot, allen andern den Tod!“
Feuer und Schwert bekunden die Liebe,
und Terror singt das Lied vom Paradies.

Die Finsternis wird jede Welt verbrennen,
und Liebe nur noch im Nichts gedeihen.









NOV 2014


He smiles a lot. But I think there might be worms inside him making him smile. Big white worms eating up his brain.
(Stephen King, »The Stand«)



Piet Wessing: untitled #1016 (Caliban)

untitled #1016 (Caliban)



Katatonische Chiffren IV,8 (Die letzten Dinge):

Achtes Bild (Cthulhu in Carcosa)

Fremde Nacht mit schwarzen Sternen,
Dinge schreien im Dunkeln, flüstern.

Wesen blicken auf, im Denken Moder,
und ringsum purer Wahnsinn schwillt.
Kein Halten, nirgends, kein Verstand,
der Hausengel kreischt sein Lied:

„Geh voraus, nimm dem Alter Hoffnung,
geh zurück und lehre Kinder hassen.
Geh hinaus, erschlag die Erstbesten,
geh hinein und töte alles, was du liebst.“

Die Eklipse der Vernunft rast heran,
und Finsternis kriecht aus den Ecken.









OKT 2014


Adenoid Hynkel: „Shut up!“
Garbitsch: „Very well. Would you sign this?“
Adenoid Hynkel: „Yes, I'll... what is it?“
Garbitsch: „The declaration of war.“
Adenoid Hynkel: „Then I'll sign it. A pen! Und stratz mit ze uldensackt. I'll sign it! Und stratz mit sei öldensackt, il der, der flutens... , der... , der... , und strippensackt! A pen! I'll sign it. Napaloni, de grosse peanut, de cheesy ravioli. There!“
(Charles Chaplin, »The Great Dictator«)



Piet Wessing: untitled #1174 (The Fog of War)

untitled #1174 (The Fog of War)



Katatonische Chiffren IV,7 (Die letzten Dinge):

Siebtes Bild (Ba'al)

Herr der Lügen, Herr der Fliegen,
triumphierend reitet das rote Pferd.

Erneut grinst und tobt ein Männchen,
der gestörte Führer vergoldeter Horden.
Seine Herrschaft komme, sein Wille sei,
wie in der Hölle, so auch auf Erden.

Erneut dreht ein dunkles Karussell sich,
auf den Pferden langsam faulende Kinder.
Unser täglich Blut gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld.

Denn dein ist das Reich und die Gewalt
und die Grausamkeit in Ewigkeit.









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